Berner Oberland: Wandern vom Panoramaweg bis zum Eiger Trail
Wandern im Berner Oberland: der Panoramaweg Männlichen–Kleine Scheidegg im Detail, dazu sieben Touren bis T3 vom Thunersee bis ins Saanenland.
Von der Redaktion schweiz-reise.ch, veröffentlicht am , 9 Min. Lesezeit.

Das Berner Oberland ist keine einheitliche Wanderregion, sondern ein Bündel von Tälern zwischen Thunersee und Grimsel, die sich stärker unterscheiden, als es der gemeinsame Name vermuten lässt. In der Jungfrauregion beginnen die Wege fast immer an einer Bergstation und führen unter den grossen Wänden von Eiger, Mönch und Jungfrau durch. Am Thunersee steigst du aus dem Bus und gehst über Sonnenterrassen. Im Simmental und im Saanenland sind die Berge niedriger und viele Wege beginnen an einer Haltestelle im Tal. Für den ersten Tag in der Region empfiehlt sich der Weg mit der grössten Aussicht und den wenigsten Höhenmetern.
Der Panoramaweg Männlichen–Kleine Scheidegg
Von Interlaken Ost fährt die Bahn in rund einer halben Stunde nach Grindelwald Terminal, wo die Gondelbahn auf den Männlichen abfährt. Oben, auf 2229 Metern, steht schon der erste Wegweiser mit dem Ziel Kleine Scheidegg; verlaufen kannst du dich auf dieser Tour kaum. Der Weg zieht nach Süden an der Ostflanke des Tschuggen entlang, weiter zur Honegg und zum Rotstöckli, und verliert dabei kaum an Höhe. Er ist fast durchgehend ein Naturweg, nur ein kurzes Stück verläuft auf einer Strasse.
Mach das Foto gleich am Anfang. Nur auf den ersten Metern passen Eiger, Mönch und Jungfrau zusammen ins Bild; wenig später schiebt sich der grüne Rücken des Tschuggen vor das Jungfraujoch. Dafür öffnet sich der Blick hinunter nach Grindelwald, und zum Dreigestirn kommen Faulhorn, Wetterhorn und Schilthorn. Nach dem Tschuggen taucht rechts das Lauberhorn auf, für Skifans der Inbegriff der Herrenabfahrt. Das Gefühl auf diesem Weg ist weniger das einer Bergtour als das eines langen Spaziergangs auf einem Balkon, von dem aus du steile Felswände und eisblaue Gletscher vor dir hast, ohne selbst einen schwierigen Schritt zu tun.
Am Ziel auf 2061 Metern treffen sich die bunten Züge der Wengernalpbahn und der Jungfraubahn. Für das Jungfraujoch steigst du hier um, denn die beiden Bahnen haben verschiedene Spurweiten und Stromsysteme. Zum Einkehren gibt es am Start das Berghaus Männlichen und am Ziel das Bergrestaurant Grindelwaldblick.
Richtung und Ausrüstung
Gehe den Weg vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg. In der Gegenrichtung brauchst du rund 2 Stunden, weil die Höhenmeter dann bergauf zu machen sind. Leichte Trekkingschuhe reichen, dazu Sonnenschutz, Regenjacke und genug zu trinken. Der Weg ist leicht, aber er liegt über 2000 Metern, und ob er sich lohnt, entscheidet das Wetter: Wähle einen klaren Tag.
Was der Männlichen zusätzlich bietet
Mit Kindern lohnt sich vor oder nach dem Panoramaweg ein Abstecher. Der Royal Walk führt von der Bergstation auf den Gipfel des Männlichen, der Lieselotteweg mit 13 Spiel- und Entdeckerstationen hinunter zur Mittelstation Holenstein. Dort steht ein Baumwipfelpfad mit vier Plattformen und einer Rutschbahn.
Fahrplan im Herbst
Die Gondelbahn Grindelwald–Männlichen und die Luftseilbahn Wengen–Männlichen fahren in der Sommersaison bis Ende Oktober. Die Gondel ab Grindelwald verkehrt im Herbst von 8.45 bis 16.30 Uhr, die letzte Talfahrt ab Männlichen ist um 17 Uhr. Danach ruhen beide Bahnen bis zum Start der Wintersaison Mitte Dezember. Die Wengernalpbahn fährt auch im November; von der Kleinen Scheidegg bist du in 30 bis 40 Minuten in Grindelwald Terminal.
Die Teilregionen im Überblick
Jungfrauregion. Rund um Grindelwald, Wengen, Lauterbrunnen und Mürren liegen die bekanntesten Wege der Region: neben dem Panoramaweg der Eiger Trail und der kurze Weg von First zum Bachalpsee. Fast jede Wanderung beginnt an einer Bergbahn, was die Saison an deren Betriebszeiten bindet.
Thunersee und Brienzersee. Die beiden Seen liegen tief, die Wege darüber sind oft schon im Frühling begehbar und bleiben es bis Ende Oktober. Am Thunersee steht das Stockhorn als Aussichtsberg, über dem Brienzersee liegt das Hinterburgseeli ob Axalp. Für Tage, an denen die hohen Gipfel in Wolken stecken, ist diese Teilregion die erste Wahl.
Kandertal und Engstligental. Kandersteg ist Ausgangspunkt für den Oeschinensee; für die Gondelbahn ist ein Zeitslot obligatorisch. Gleich daneben führt die Luftseilbahn auf den Sunnbüel, über dem Gasterntal. Im Nachbartal fährt die Engstligenbahn von Adelboden auf die Engstligenalp.
Haslital. Über Meiringen liegt der Hasliberg mit Wegen über Alpweiden und Moore; die Touren ab Käserstatt beschreibt der Beitrag über den Hasliberg.
Simmental und Saanenland. Zwischen Spiez, Zweisimmen und Gstaad sind die Gipfel nicht hoch, aber eigenwillig geformt. Viele Wege beginnen an einer Haltestelle der Bahn oder des Postautos, und im Herbst sind die Alpen verlassen.
Weitere Wanderungen bis T3
Die Tabelle zeigt sieben Touren aus fünf Teilregionen. Gehzeiten ohne Pausen.
| Tour | Teilregion | Gehzeit | Markierung | Saison |
|---|---|---|---|---|
| Eiger Trail, Eigergletscher–Alpiglen | Jungfrauregion | 2 h | Bergwanderweg (T2) | Juni bis September |
| Pfingstegg–Berghaus Bäregg und zurück | Jungfrauregion | 2 h 20 min | Bergwanderweg (T2) | Juli bis Oktober |
| Tschingel ob Gunten–Blueme–Heiligenschwendi | Thunersee | 2 h 15 min | Wanderweg (T1) | März bis Oktober |
| Gällihore ab Sunnbüel | Kandertal | 2 h 5 min | Bergwanderweg (T3) | Juni bis Oktober |
| Unter dem Birg–Engstligenalp | Engstligental | 1 h 45 min | Bergwanderweg (T2) | Juni bis Oktober |
| Simmentaler Höhlen- und Bäderpfad, Oberwil–Weissenburg | Simmental | 2 h 20 min | Bergwanderweg (T2) | April bis Oktober |
| Abländschen, Mittelberg–Saanen | Saanenland | 3 h 15 min | Bergwanderweg (T2) | Juni bis Oktober |
Eiger Trail. Von der Station Eigergletscher führt der Bergwanderweg direkt am Fuss der Eigernordwand entlang und über steile Alpweiden, an Wildbächen und Wasserfällen vorbei zur Bahnstation Alpiglen. Auf 6,1 km verlierst du 779 Höhenmeter, der Abstieg geht in die Knie. Mit einem Feldstecher und etwas Glück entdeckst du eine Seilschaft in der Wand.
Pfingstegg–Bäregg. Ab der Bergstation der Pfingsteggbahn wird der Blick auf die Fiescherhörner mit jeder Wegbiegung eindrücklicher. Weil 2005 eine Moräne samt Alpterrasse auf den Unteren Grindelwaldgletscher abrutschte, steigt der Weg heute zum neu gebauten Berghaus Bäregg auf, das auf festem Fels steht. Schwindelfrei solltest du sein. Die Bahn fährt bis Ende Oktober.
Blueme ob dem Thunersee. Von Tschingel geht es sehr steil über Weiden zum Margel, danach auf einem Forstweg durch Fichtenwald zum Aussichtsturm auf der Blueme, einer früheren Hochwacht. Am Turm stehen Grillstellen, der Abstieg nach Heiligenschwendi führt über einen steilen, verwurzelten Pfad. Beide Enden erreichst du mit dem Bus ab Thun.
Gällihore. Die anspruchsvollste Tour der Liste beginnt und endet an der Bergstation Sunnbüel, mit 485 Metern Auf- und Abstieg und nur für Schwindelfreie. Beim Aufstieg blickst du ins Gasterntal, hinter dem Gipfel steht die Altels, an der sich 1895 ein riesiges Eispaket löste. Die Sunnbüelbahn fährt bis Anfang November täglich.
Engstligenalp. Der Weg von Unter dem Birg steigt 590 Meter steil und schattig durch die Felswand. Er ist breit angelegt, verlangt aber Schwindelfreiheit. Etwa auf halber Höhe zweigt ein schmaler Pfad zum oberen Engstligenfall ab. Die Engstligenbahn fährt im Sommerbetrieb bis Mitte Oktober, danach bis in den November von Mittwoch bis Sonntag.
Höhlen- und Bäderpfad. Die tiefste Tour der Liste verbindet zwei Bahnhaltestellen im Simmental und ist schon im April begehbar, wenn weiter oben noch Schnee liegt.
Höhenweg im Saanenland. Das Postauto Saanen–Jaun fährt bis Ende Oktober zum Start bei Mittelberg. Von dort führt der Weg in leichtem Auf und Ab unter Schneitgrat und Planihubel durch, über Hugeligrat und Rellerligrat, und steigt am Schluss streckenweise steil nach Saanen ab. Im Herbst sind die Weiden abgegrast und die Tiere zurück im Tal; am Ziel gehst du an der Kirche und dem Dorfkern vorbei zum Bahnhof.
Rundwanderungen und leichte Wanderungen
Eine Rundwanderung ist dort praktisch, wo du mit dem Auto anreist oder nur eine Bergfahrt lösen willst. Vier Runden haben auf dieser Seite einen eigenen Beitrag: die Runde über den Heuberg am Oeschinensee, die Runde ab Axalp zum Hinterburgseeli, die Tour über zwei Bergseen ab Chrindi am Stockhorn und die Schleife ab Käserstatt am Hasliberg. Bei allen vier liegen Start und Ziel am selben Ort, und alle vier beginnen an einer Bergbahn oder einer Postautohaltestelle.
Für leichte Wanderungen zählt die Markierung. Gelb markiert sind der Panoramaweg am Männlichen, der Weg zum Bachalpsee und die Blueme ob dem Thunersee. Familien mit kleinen Kindern sind auf dem Männlichen am besten aufgehoben, weil Panoramaweg, Lieselotteweg und Baumwipfelpfad an derselben Bahn liegen. Trittsichere Berggänger wählen im Sommer den Eiger Trail und bis in den Herbst das Gällihore.
Häufige Fragen
Kann ich im Oktober noch im Berner Oberland wandern?
Ja, aber die Bahnen bestimmen den Plan. Männlichen und Pfingstegg fahren bis Ende Oktober, Sunnbüel und Oeschinensee bis Anfang November, die Engstligenbahn ab Mitte Oktober nur noch von Mittwoch bis Sonntag. Ohne Bahn kommen die Touren am Thunersee und im Simmental aus, die bis Ende Oktober begehbar sind.
In welche Richtung gehe ich den Panoramaweg?
Vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg. In dieser Richtung geht es überwiegend leicht bergab, und du brauchst rund 1 h 25 min statt 2 Stunden. Zurück fährst du mit der Wengernalpbahn, die auch nach dem Saisonende der Männlichenbahnen verkehrt.
Ist der Eiger Trail schwierig?
Er ist ein Bergwanderweg der Stufe T2, also für trittsichere Wanderer mit festen Schuhen. Anstrengend ist vor allem der lange Abstieg mit fast 800 Höhenmetern nach Alpiglen. Seine Saison reicht von Juni bis September; im Oktober weichst du besser auf den Panoramaweg oder die Pfingstegg aus.
Bahnbetrieb und Wegsperrungen: Stand Oktober 2026.
Weitere Touren
Wanderweg: 1 h 40 min bis 2 h, Uetliberg, Bahnhof → Felsenegg, Bergstation Luftseilbahn

Wanderungen in und um Zürich: Planetenweg, Pfannenstiel, Lägern
Wanderweg: 25 min (Rundweg zur Kirche), Rivera-Tamaro, Talstation → Alpe Foppa, Bergstation

Monte Tamaro: Ausflugsziel Schweiz im Herbst
