Wanderwege Schweiz: Markierung und Schwierigkeit von T1 bis T6
Gelb, weiss-rot-weiss, weiss-blau-weiss oder pink: was die Markierung über die SAC-Stufe verrät, welche Ausrüstung sie verlangt und wo du Routen planst.
Von der Redaktion schweiz-reise.ch, veröffentlicht am , 8 Min. Lesezeit.

65 000 Kilometer lang ist das Netz der Wanderwege in der Schweiz, und an rund 50 000 Wegweiser-Standorten entscheidet sich, ob eine Tour zu dir passt. Die meisten lesen dort Ziel und Zeit. Wichtiger für die Planung ist die Farbe: Sie sagt, welches Gelände dich erwartet und was du dafür können musst.
Die Farben regelt die Schweizer Norm SN 640 829a, die SAC-Wanderskala in Tourenbeschreibungen und Apps ist ein zweites, feineres System. Wer beide lesen kann, plant Wanderrouten in der Schweiz ohne böse Überraschung am Grat.
Farbe und T-Stufe: zwei Systeme, die sich überlappen
Drei Sommerkategorien stehen sechs SAC-Stufen gegenüber. Der Schweizer Alpen-Club legt beide selbst übereinander, mit einem ehrlichen Vorbehalt: Meistens liegen gelbe Wege im Bereich T1 bis T2, weiss-rot-weisse bei T2 bis T3 und weiss-blau-weisse bei T4 bis T5, in der Praxis gibt es Abweichungen nach unten und nach oben. T6 ist meist weglos.
| Markierung | Typische Stufe | Gelände | Was du mitbringst |
|---|---|---|---|
| Gelb | T1 | gut gebahnt, Absturzstellen mit Geländer gesichert | feste Schuhe mit griffiger Sohle, Karte |
| Weiss-rot-weiss | T2–T3 | steil, schmal, teils exponiert, Ketten an Schlüsselstellen | Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, gute Kondition |
| Weiss-blau-weiss | T4–T5, selten T6 | Wegspuren, Geröll, Schneefelder, Kletterstellen im I. Grad | alpine Erfahrung, Kompass, je nach Tour Seil, Pickel, Steigeisen |
Die Stufe kann mit Plus und Minus abgestuft sein, T3+ liegt schon nahe an T4. Und bewertet wird immer bei günstigen Verhältnissen: trockener Fels, gute Sicht, kein Schnee, normaler Wasserstand in den Bächen. Nach einem Gewitter oder mit Altschnee im Couloir ist dieselbe Route schwieriger, als die Zahl verspricht.
Was jede Stufe von dir verlangt
T1 auf gelben Wegen
Der Weg ist gut gebahnt, exponierte Stellen sind sehr gut gesichert, die Orientierung klappt meist sogar ohne Karte.
Genau das macht T1 trügerisch. Die Rundwanderung ab Noiraigue zum Creux du Van ist als T1 eingestuft und dauert trotzdem 4 h 25 min bei 770 Metern Aufstieg. Oben führt der Weg dem Rand eines Felskessels mit 160 Meter hohen Wänden entlang, getrennt durch eine Trockenmauer. Die Stufe sagt, dass der Weg sicher ist. Ob deine Beine den Tag tragen, sagt sie nicht.
T2 und T3 auf weiss-rot-weissen Wegen
Bei T2 ist der Pfad noch durchgehend sichtbar, das Gelände wird aber steil, Absturzgefahr ist nicht mehr ausgeschlossen. T3 geht einen Schritt weiter: Der Weg verliert sich stellenweise, es gibt Geröll und leichte Schrofen, manchmal brauchst du die Hände fürs Gleichgewicht. Ausgesetzte Passagen sind oft mit Seilen oder Ketten gesichert.
Für beide Stufen musst du trittsicher und schwindelfrei sein und die Gefahren im Gebirge kennen: Steinschlag, Rutschen, Absturz, Wetterumsturz. Feste Schuhe mit griffiger Sohle, wetterfeste Kleidung und eine topografische Karte gehören in den Rucksack. Je rauer das Gelände, desto eher lohnen sich Bergschuhe mit hohem Schaft und verwindungssteifer Sohle. Der SAC führt den Säntis ab Schwägalp als Beispieltour für T3. Ob du so weit bist, zeigt vorher der Selbsttest der bfu.
Ab T4 auf weiss-blau-weissen Wegen
Hier beginnt ein anderes Wandern. Der Wegweiser selbst ist blau mit weiss-blau-weisser Spitze, und am ersten Abschnitt hängt eine Tafel in vier Sprachen, die auf die Anforderungen hinweist. Das Gelände ist oft weglos, mit Blockfeldern, steilen Grashalden, Schneefeldern und markierten Gletscherpassagen. Bauliche Sicherungen darfst du nicht voraussetzen.
Du brauchst sehr gute Kondition, Vertrautheit mit ausgesetzten Stellen und ein sicheres Urteil über das Gelände. Zur Ausrüstung kommt ein Kompass, je nach Route Seil, Pickel und Steigeisen, in steinschlägigem Gelände ein Helm. Bei einem Wettersturz wird der Rückzug schwierig. Auf T5 und T6 lässt sich kaum mit Seil sichern, der SAC stellt T6 deshalb auf eine Stufe mit mancher Hochtour im Grad WS (wenig schwierig). Den Einstieg in dieses Gelände sammelst du am besten auf geführten Touren oder in einem Kurs.
Pink im Winter, Vorsicht im Spätherbst
Sommerwege sind für die schnee- und eisfreie Zeit gedacht. Schneit es, werden sie nicht gesperrt, sondern schlicht nicht mehr unterhalten. Im Winter gelten eigene Wege: Winterwanderwege sind pink signalisiert, präpariert und technisch so einfach wie ein gelber Wanderweg. Vorausgesetzt sind Schuhe mit schneegriffiger Sohle oder Spikes. Schneeschuhrouten sind ebenfalls pink, aber mit Schneeschuh-Piktogramm, nicht gespurt und in Blau, Rot und Schwarz eingestuft. Rund 6000 Kilometer solcher Wege sind signalisiert.
Die heikle Zeit liegt dazwischen. Im Spätherbst bauen die Wegverantwortlichen Sicherungsseile und Brücken ab, damit Lawinen sie nicht zerstören, und sie müssen das im Gelände nicht anschreiben. Eine T2-Tour kann im November also eine Bachquerung ohne Steg haben. Frag vor einer späten Bergwanderung bei der Hütte, der Bergbahn oder dem Tourismusbüro nach, und rechne mit vereisten oder laubbedeckten Wegen.
Gesperrt oder umgeleitet: woran du es erkennst
Gesperrt wird ein Weg, wenn er nicht mehr begehbar ist oder akute Gefahr droht: nach einem Erdrutsch, bei weggeschwemmtem Steg oder Sturmholz, aber auch wegen Holzschlag, Baustellen oder Schiessübungen.
Im Gelände siehst du das an den Wegweisern: Sie sind mit orangem Band überklebt, abgedeckt, abmontiert oder umgedreht. Die Gefahrenstelle ist mit rot-weissem Band oder Fussgängerverbot abgesperrt, ein Schild nennt Grund und Dauer. Die Umleitung ist mit orangen Wegweisern signalisiert. Sie soll nicht mehr verlangen als der gesperrte Weg. Geht das nicht, etwa weil nur ein anspruchsvoller Bergwanderweg bleibt, muss darauf schon am Ausgangspunkt hingewiesen werden. Bei sehr kurzen Sperrungen von Stunden bis wenigen Tagen kann die Umleitung ganz fehlen.
Online erscheinen die Sperrungen auf map.geo.admin.ch, in der swisstopo-App und auf der Karte von SchweizMobil, erfasst von den kantonalen Wanderweg-Fachorganisationen und geprüft von den Schweizer Wanderwegen. Veröffentlicht wird allerdings nur, was mindestens eine Woche dauert. Eine Sperrung wegen eines Holzschlags über drei Tage siehst du deshalb oft erst am Weg.
Das grüne Routenfeld: national, regional, lokal
An vielen Standorten hängt ein zweites Schild mit grünem Feld, Nummer und Routennamen. Es gehört zu Wanderland Schweiz von SchweizMobil, die Zahl der Ziffern verrät die Grösse:
- Einstellig, national: sieben Routen quer durchs Land, von der Via Alpina (1) über den Trans Swiss Trail (2) bis zur ViaGottardo (7). Sie sind 320 bis 695 Kilometer lang und in 16 bis 43 Etappen geteilt.
- Zweistellig, regional: 70 Routen, oft über mehrere Kantone, etwa der Thurweg mit 160 Kilometern.
- Dreistellig, lokal: 274 Routen, auch Rundwege.
Für die Planung zählt ein Detail aus dem Signalisationshandbuch: Diese Routen verlaufen nur auf Wanderwegen und Bergwanderwegen, nie auf Alpinwanderwegen. Die Spitze des grünen Schildes zeigt, welche Kategorie gerade gilt. Eine Etappe kann also gelb beginnen und weiss-rot-weiss weitergehen.
Wo du deine Route planst
SchweizMobil eignet sich für alles, was eine Nummer trägt. Auf der Karte siehst du den Verlauf jeder Route mit ihren Etappen, dazu die aktuellen Sperrungen und Umleitungen. Für mehrtägige Touren ist das der beste Startpunkt.
Die swisstopo-App ist gratis und das Werkzeug für die einzelne Tagestour und für unterwegs. Sie zeigt die Landeskarte bis 1:10 000 mit Wanderwegen, Bergwanderwegen und alpinen Routen, blendet Sperrungen, Hangneigung ab 30 Grad, Schneehöhe und Alpweiden mit Herdenschutzhunden ein. Touren lassen sich mit persönlichem Tempo zeichnen, offline speichern und als GPX exportieren. Ein Haken: Beim Zeichnen kann die App auch Wege mit Nutzungsbeschränkung wählen.
Die Schweizer Wanderwege veröffentlichen Wandervorschläge mit T-Stufe, Gehzeit und Höhenmetern, meist mit Start und Ziel an einer Haltestelle.
Bei den Zeiten auf dem Wegweiser hilft ein Blick ins Kleingedruckte der Norm. Sie sind auf fünf Minuten gerundet, ab drei Stunden fallen «3 h 55 min» und «4 h 5 min» auf die volle Stunde. Pausen enthalten sie nie. Wie die Zeiten berechnet werden, erklärt urlaub-magazin.ch in seinem Überblick zum Wandern in der Schweiz. Plane Pausen und eine Zeitreserve dazu, im Herbst mit Blick auf das Tageslicht. Wenn du Start und Ziel am selben Ort haben willst, findest du passende Touren bei den Rundwanderungen in der Schweiz.
Häufige Fragen
Ist ein gelber Wanderweg immer T1?
Meistens, aber nicht immer. Der SAC ordnet gelbe Wege dem Bereich T1 bis T2 zu, einzelne Abschnitte können also steiler sein. Absturzstellen sind mit Geländern gesichert.
Reichen Turnschuhe für einen Bergwanderweg?
Für weiss-rot-weisse Wege werden feste Schuhe mit griffiger Sohle vorausgesetzt. Turnschuhe rutschen auf nassem Gras und Geröll schnell weg. Ab T3 sind Bergschuhe mit hohem Schaft die bessere Wahl.
Wer entscheidet, wie ein Weg markiert wird?
Die kantonale Fachstelle für das Wanderwegnetz oder die zuständige Gemeinde, nach den Vorgaben der Norm SN 640 829a. Montiert und kontrolliert werden die Wegweiser zu einem grossen Teil von rund 2000 Freiwilligen der kantonalen Wanderweg-Organisationen.
Welche Notrufnummer wähle ich in den Bergen?
Die Rega erreichst du unter 1414, die internationale Notrufnummer 112 funktioniert auch mit gesperrtem Handy.
Routenzahlen und Signalisationsregeln: Stand September 2026.
