Morgenberghorn: Wanderung zur Brunnialp und Weg zum Gipfel
Wanderung am Morgenberghorn ab Aeschiried: die Runde über Greberegg, Brunnialp und Pochtenfall, dazu der steile Gipfelweg mit Ketten und seine Anforderungen.
Von der Redaktion schweiz-reise.ch, veröffentlicht am , 6 Min. Lesezeit.

Das Morgenberghorn steht mit 2249 Metern zwischen Thunersee und Saxettal, ein grüner Sockel mit einer felsigen Spitze. Von Aeschi aus sieht es aus wie ein Berg, den man an einem Nachmittag mitnimmt. Das täuscht: Die letzten rund 600 Höhenmeter verlangen Trittsicherheit und einen freien Kopf. Die Tour hier führt deshalb bis unter die Gipfelflanke, auf die Alp Brunni, und bietet von dort denselben Blick auf den See, den viele erst oben suchen. Wer genug Erfahrung mitbringt, hängt den Gipfel an.
Über die Greberegg zur Brunnialp
Aus dem Dorf folgst du dem Wegweiser Richtung Aeschiallmi und Brunni. Nach einem kurzen Stück auf Asphalt beginnt der Aufstieg über Alpweiden und durch Wald auf den breiten Kamm, der das Suldtal vom Thunerseegebiet trennt. Der Weg steigt in Stufen an, immer wieder unterbrochen von flachen Passagen, in denen du wieder zu Atem kommst.
Es lohnt sich, dabei öfter stehen zu bleiben und zurückzuschauen. Hinter dir liegt das Aaretal, links glänzt der Thunersee, rechts öffnen sich Suld- und Kandertal, und die Pyramide des Niesen steht so nah, dass man ihre Wege erkennt. Durch Lücken im Wald blitzt weiter östlich der Brienzersee auf. Vor dir wächst mit jeder Stufe das Horn in den Himmel, bis es das ganze Blickfeld ausfüllt.
Oben auf der Brunnialp, am höchsten Punkt der Runde auf rund 1650 Metern, liegt der See tief unten in sattem Blau. Darüber ziehen sich Niederhorn und Sigriswiler Rothorn als doppelter Felsrücken, dazwischen wechseln dunkle Tannenwälder und offene Weiden. Bei der Sennhütte kannst du dich mit Proviant eindecken. Die Brunnihütte daneben gehört dem Ski-Club Leissigen, ist nicht bewartet und nimmt Gäste nur auf Reservation auf.
Hinunter zum Pochtenfall und durchs Suldtal
Bei der Sennhütte zweigst du rechts ab Richtung Louene und Suld. Ein Pfad quert den Hang bis Huetmad und fällt von dort steil nach Louene ab. Hier sind feste Bergschuhe und Stöcke eine echte Hilfe, besonders wenn der Boden nass ist.
Kurz darauf hörst du ihn, bevor du ihn siehst: Der Pochtenfall stürzt rund 80 Meter über eine senkrechte Felswand. Ein Rastplatz liegt direkt davor und ist der beste Ort für die Mittagspause. Etwas weiter unten steht das Gasthaus Suld, früher Restaurant Pochtenfall, in dem sich einst Gäste aus der ganzen Welt bewirten liessen. Geöffnet ist es von Mai bis Oktober.
Der Rest ist Erholung. Fast eben führt der Weg dem Suldbach entlang, meist durch Wald, kurz über Weide. Das Suldtal steht unter Naturschutz und gilt als Geheimtipp für Tierbeobachtungen: Birkwild, Gämsen und ein Steinadlerpaar leben hier, im Sommer blühen Orchideen und Türkenbundlilien. Unter mächtigen Ahornbäumen stehen jahrhundertealte Speicher, die den Alpen der Umgebung als Käselager dienen. Ab Staldeweid geht es auf Asphalt oder einem Kiesweg neben der Strasse zurück nach Aeschiried.
Der Gipfel: steil, gesichert, nur für Geübte
Das Morgenberghorn ist kein Spaziergang, auch wenn seine grünen Flanken so wirken. Von zwei Seiten führen markierte Wege hinauf, und beide werden oben steil und felsig.
Der Weg ab Brunni ist der kürzere. Aeschi Tourismus beschreibt ihn als steilen Pfad, an dessen Schlüsselstelle Ketten Halt geben, und empfiehlt ihn erfahrenen Wanderern mit guter Kondition und Trittsicherheit. Als Rundtour ab Aeschiried über den Allmispitz, den Grat und Brunni rechnest du mit rund 6 h 30 min für 13 Kilometer. Zurück geht es auf demselben Weg; vom Gipfel bis zur Brunnihütte dauert der Abstieg etwa eine Stunde.
Die zweite Linie kommt vom Rengglipass auf 1879 Metern. Dieser Abschnitt ist ein blau-weiss markierter Alpinwanderweg, den die Schweizer Wanderwege als T4 einstufen: je näher der Gipfel, desto steiler und felsiger, die schwierigen Passagen mit Ketten gesichert, nur für schwindelfreie Berggänger. Die ganze Überschreitung von Saxeten über Pass und Gipfel zur Brunnihütte und hinunter zum Pochtenfall dauert 6 Stunden, bei 1285 Metern Aufstieg und 1315 Metern Abstieg. Wie sich die Stufen der Wanderskala unterscheiden, erklärt der Überblick zu den Wanderwegen in der Schweiz.
Für den Gipfel sprechen die Monate Juli bis September. Bei Nässe, Nebel oder Restschnee bleibst du besser auf der Brunnialp. Oben wartet dafür eine Aussicht, die beide Seen zugleich zeigt: Thunersee und Brienzersee, dazu Eiger, Mönch und Jungfrau und tief unten die Täler.
Übergang ohne Gipfel: über den Rengglipass
Wer das Horn auslassen, aber trotzdem über die Berge will, geht vom Suld am Pochtenfall vorbei nach Schlieri und auf die Alp Mittelberg unter den Felsbändern der Schwalmere. Von dort windet sich der Pfad in engen Kehren zum Rengglipass hinauf, der alte Übergang heisst wegen der Älplerchilbi, die hier einst stattfand, auch Tanzbödelipass. Oben öffnet sich überraschend der Blick durch das Saxettal zum Brienzersee. Beim Abstieg über die oberste Halde ist Vorsicht nötig, danach wird es gemütlicher bis ins Dorf Saxeten.
Ab Aeschiried sind es 13 Kilometer und 5 h 10 min, das Postauto bringt dich von Saxeten zurück nach Wilderswil. Die Route ist ein Bergwanderweg und Teil der ViaBerna, deren zwölfte Etappe schon in Aeschi beginnt und mit 17 Kilometern und 6 h 15 min deutlich länger ist. Saxeten liegt auf 1130 Metern zwischen Sulegg, Schwalmere und Morgenberghorn und gehört zu den kleinsten Gemeinden im Berner Oberland. Bei Regen, Schnee oder Nebel lässt du den Übergang besser aus.
Häufige Fragen
Wie komme ich nach Aeschiried?
Mit der Bahn nach Spiez, dort in das Postauto der Linie 62, das in 16 Minuten bis zur Haltestelle Aeschiried, Schulhaus fährt. Ab Bern dauert die Anreise etwa 50 Minuten. Auf der Runde über Brunni kommst du wieder am Ausgangspunkt an und brauchst keinen Rückweg zu planen.
Fährt ein Bus vom Pochtenfall zurück?
Zwischen dem Gasthaus Suld und Aeschiried verkehrt ein Postauto nur im Sommer und nicht jeden Tag. Plane die Runde deshalb so, dass du auch zu Fuss zurückkommst; vom Suld nach Aeschiried ist es rund eine Stunde dem Bach entlang.
Kann ich die Runde mit Kindern machen?
Mit trittsicheren, ausdauernden Kindern ja, die Runde verläuft durchgehend auf Bergwanderwegen. Der steile Abschnitt zwischen Huetmad und Louene verlangt Aufmerksamkeit. Den Gipfel lässt du mit Kindern besser aus. Gemütlicher und mit Bahnhilfe geht es auf der Seenrunde am Stockhorn, ebenfalls über dem Thunersee.
Welche Karte brauche ich?
Die Runde über Brunni und Pochtenfall liegt auf der swisstopo-Wanderkarte 1:50’000, Blatt 253T Gantrisch. Für den Übergang nach Saxeten brauchst du zusätzlich Blatt 254T Interlaken. Weitere Touren mit gleichem Start und Ziel findest du bei den Rundwanderungen in der Schweiz.
Busbetrieb und Öffnungszeiten: Stand September 2026.
Weitere Touren
Wanderweg: 2 h 50 min, Rigi Kulm, Station der Zahnradbahn → Rigi Scheidegg, Bergstation der Luftseilbahn

Rigi-Wanderung: von Rigi Kulm über Kaltbad nach Rigi Scheidegg

Höchster Punkt der Schweiz: Die Dufourspitze
Bergwanderweg: 2 h 15 min, Ebenalp, Bergstation Luftseilbahn → Wasserauen, Bahnhof
