Wägitalersee: Rundwanderung um den Stausee ab Innerthal
Rundwanderung um den Wägitalersee: 12,6 km und 3 Stunden ab Innerthal auf der Seestrasse, fast ohne Steigung, mit Hundlochquelle und Einkehr in der Au.
Von der Redaktion schweiz-reise.ch, veröffentlicht am , 7 Min. Lesezeit.

Hinten im Wägital, eingeklemmt zwischen Fluebrig, Bockmattli und Zindlenspitz, liegt ein Stausee aus den 1920er-Jahren. Die Runde führt auf keinen Gipfel, sie ist ein ruhiger Halbtag mit Seeblick: Es gibt keinen einzigen steilen Meter, dafür ständig wechselnde Blicke auf Felswände, Alpen und Wasser. Die Schwyzer Wanderwege nennen die Tour eine Genusswanderung, und das trifft es genau.
Der Weg um den See, Abschnitt für Abschnitt
Vom Postautohalt hältst du dich links Richtung Halten und folgst von da an einfach der Stausee-Strasse. Sie ist durchgehend asphaltiert und bleibt es bis zurück ins Dorf. Wer einen Pfad unter den Sohlen erwartet, wird enttäuscht, dafür musst du nirgends auf den Weg schauen und kannst den Blick ganz den Bergen überlassen.
Auf den ersten Kilometern über Sännegg, Blattli und Bruch hast du den Fluebrig vor dir, auch Diethelm genannt, mit seinen Vorgipfeln Turner, Gantspitz und Wännifirst. Blattli erreichst du nach rund einer halben Stunde. Dreh dich unterwegs ab und zu um: Nach Norden, über die Staumauer hinaus, steht der Gross Aubrig.
Kurz nach Ziggen taucht die Strasse in den Wald ein. Ein unscheinbarer Wegweiser zeigt hier hinunter zur Hundlochquelle. Die paar Meter bis auf Seehöhe solltest du dir nicht sparen. Das Wasser tritt aus einer Art Grotte, es ist glasklar, und wer mag, steigt ganz hinein. Rechne mit Tropfwasser von der Decke und nassem Fels. Genau dafür empfehlen die Schwyzer Wanderwege Wander- oder Trekkingschuhe, obwohl der Rest der Runde auf Asphalt verläuft.
Am Seeende wartet die Au. Nach rund anderthalb Stunden bist du hier ungefähr auf halbem Weg, und das kleine Restaurant mit einfachen Gerichten und einer Terrasse bietet sich für die Pause an. Von dort schaust du über den See auf Schiberg und Bockmattli. Das Bockmattli ist unter Kletterern bestens bekannt, und von der Terrasse aus siehst du seine Wände im Profil.
Zurück geht es am hinteren Ufer über Brandhaltli und Schrä zur Staumauer und von dort zurück ins Dorf. Auf diesem Abschnitt hast du den Zindlenspitz im Blick, der von hier aus wirkt, als liesse er sich nur mit Seil besteigen. Tatsächlich lässt er sich erwandern, aber das ist eine andere Tour an einem anderen Tag.
Ein Dorf, das dem Strom weichen musste
Der See ist kein Naturgewässer. Zwischen 1922 und 1926 baute die AG Kraftwerk Wägital, eine Partnerschaft der heutigen Axpo und des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich, die Staumauer Schräh. Die Gewichtsmauer ist 111 m hoch, davon sind 66 m sichtbar, der Rest steckt im Talboden. Für die damalige Zeit war das eine enorme Bauleistung in sehr kurzer Frist.
Der Preis dafür lag im Tal. Das alte Innerthal stand dort, wo heute Wasser ist. Die Bewohner mussten weichen, und wer bleiben wollte, bekam im neu gebauten Dorf am Seeufer ein Zuhause. Das Innerthal, in dem du heute aus dem Postauto steigst, ist also selbst ein Kind des Kraftwerks. Rund 200 Menschen leben hier, im Vorderthal weiter unten sind es etwa 1000.
Mit 4,18 km² Fläche und bis zu 65 m Tiefe fasst der Stausee rund 150 Millionen m³ Wasser. Das Kraftwerk liefert Spitzenstrom für die Region Zürich und arbeitet vor allem im Winter.
Wann der See am schönsten ist
Hier liegt der eigentliche Unterschied zu einem natürlichen Bergsee, und er entscheidet über die Wahl des Monats. Das Kraftwerk darf den See zwischen 900 und 880 m ü. M. bewirtschaften. Den höchsten Stand erreicht er jeweils im Herbst, danach wird das Wasser für die Winterproduktion abgelassen, und am tiefsten steht er im Frühling, kurz vor der Schneeschmelze.
Für die Wanderung heisst das: Im Frühling kann der Spiegel bis zu 20 m unter dem Höchststand liegen, und zwischen Wald und Wasser zieht sich ein breiter, kahler Uferstreifen. Im September und Oktober ist der See voll und wirkt so, wie ihn die Postkarten zeigen. Wenn du die Wahl hast, nimm den Herbst.
Die Schwyzer Wanderwege führen die Runde als Sommerwanderung von Mai bis Oktober. Weil die Strecke komplett auf der Strasse verläuft, ist sie auch bei unsicherem Wetter machbar. Regenschutz und ein Getränk gehören trotzdem in den Rucksack.
Für wen die Runde passt
Die Tour ist ausdrücklich familientauglich, und du kannst sie mit Kinderwagen oder Rollstuhl machen. Drei Stunden reine Gehzeit sind für kleine Kinder trotzdem lang. Mit Abstecher zur Quelle und Pause in der Au wird daraus schnell ein halber Tag. Für Familien mit Kindern im Kindergartenalter ist die Kutschenfahrt um den See die bequemere Variante. Rund um das Wasser kannst du ausserdem biken, fischen, baden oder ein Boot mieten.
Wer dagegen Höhenmeter sucht, ist hier falsch und findet im Wägital mit Bockmattli oder Zindlenspitz das Gegenprogramm. Eine Bergwanderung zu einem kleinen, natürlichen Bergsee beschreiben wir am Seebergsee im Diemtigtal. Weitere Touren rund um Schwyz, Luzern und den Vierwaldstättersee findest du im Überblick zum Wandern in der Zentralschweiz, weitere Runden ohne Rückfahrt zum Start bei den Rundwanderungen in der Schweiz.
Anreise und Einkehr
Mit dem Zug fährst du ab Zürich HB mit der S2 bis Siebnen-Wangen, dort wartet das Postauto 523 hinauf nach Innerthal. Die ganze Reise dauert rund 1 h 10 min. Ab Luzern fährst du über Zug und Thalwil und brauchst gut 1 h 45 min, ab St. Gallen über Pfäffikon SZ ähnlich lang. Aus Bern sind es knapp drei Stunden mit Umsteigen in Zürich, für eine flache Seerunde ein weiter Weg, mit einer Übernachtung im Tal aber gut machbar. Mit dem Auto geht es über Siebnen und Vorderthal ins Tal, Parkplätze gibt es im Dorfzentrum.
Einkehren kannst du am Start und am Wendepunkt. Das Restaurant Seeblick Wägital liegt direkt am Gemeindeplatz und damit am Start. Es hat eine grosse Sonnenterrasse und ist montags geschlossen, im Winterhalbjahr auch dienstags. Die Au am Seeende ist kleiner und einfacher, als Zwischenhalt aber genau richtig.
Kinder haben ihr eigenes Etappenziel übrigens schon kurz nach dem Start: In Halten fällt ein Mehrfamilienhaus mit einer grossen Zwergenlandschaft im Garten auf. Danach gehört die Aufmerksamkeit wieder dem See und den Bergen, und bis zur Quelle im Wald gibt es genug zu schauen, damit die Strasse nicht lang wird.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Wanderung um den Wägitalersee?
Rechne mit 3 Stunden reiner Gehzeit für 12,6 km. Mit dem Abstecher zur Hundlochquelle und einer Pause in der Au bist du einen halben Tag unterwegs. Die Au am Seeende erreichst du nach gut anderthalb Stunden, sie ist der natürliche Wendepunkt.
Kann man im Wägitalersee baden?
Ja, Baden gehört neben Fischen und Bootfahren zu den Aktivitäten am See. Im Frühling ist der Seespiegel abgesenkt und das Ufer breit und kahl. Ab dem Spätsommer steht das Wasser wieder hoch, dann ist der Einstieg am angenehmsten.
Ist der Rundweg mit Kinderwagen oder Rollstuhl machbar?
Ja. Die Runde verläuft vollständig auf der asphaltierten Seestrasse mit reduziertem Tempo und wenig Verkehr. Einzig der Abstecher hinunter zur Hundlochquelle führt über nassen Fels und ist nur zu Fuss möglich.
Wo parkiert man für die Rundwanderung?
Im Dorfzentrum von Innerthal stehen Parkplätze zur Verfügung, direkt beim Startpunkt am Gemeindeplatz. Die Anfahrt führt über Siebnen und Vorderthal ins Wägital.
Öffnungszeiten: Stand September 2026.
Weitere Touren
Wanderweg: 3 h 0 min, Noiraigue, Bahnhof → Boudry

Schluchten in der Schweiz: Areuse, Risletenschlucht und Taubenloch
Wanderweg: 2 h 15 min, Axalp, Sportbahnen (Postauto)

Hinterburgseeli: Rundwanderung ab Axalp über dem Brienzersee
Bergwanderweg: 3 h 25 min, Chrüzhütte, Bergstation Luftseilbahn Fell–Chrüzhütte → Brunnihütte ob Engelberg
