Creux du Van: Rundwanderung am Felskessel ab Noiraigue
Wanderung zum Creux du Van ab Noiraigue: in 4 h 25 min über die 14 Contours zum Soliat und zurück, mit Anreise, Saison und den Regeln im Naturschutzgebiet.
Von der Redaktion schweiz-reise.ch, veröffentlicht am , 7 Min. Lesezeit.

Ein Hufeisen aus Kalkfels, mehr als einen Kilometer breit, mit senkrechten Wänden von über 160 Metern Höhe: Der Creux du Van im Neuenburger Jura sieht aus, als hätte jemand ein Stück aus dem Bergrücken herausgeschnitten. Wasser und Eis haben den Kessel über Jahrmillionen ausgeräumt. Von oben reicht die Sicht an klaren Tagen über die Mittellandseen bis zu den Alpen. Am schönsten erlebst du ihn zu Fuss von unten nach oben, also auf der Rundwanderung ab Noiraigue, die zuerst durch den Wald aufsteigt und den Kessel dann auf seiner ganzen Krete umrundet.
Der Weg: durch den Wald auf die Krete
Noiraigue liegt auf rund 730 Metern im Val-de-Travers, der Soliat als höchster Punkt der Runde auf gut 1460 Metern. Diese Differenz steckt fast vollständig im ersten Teil der Tour. Am Waldrand oberhalb des Dorfs teilt sich die Runde: Ein Ast führt zur Ferme Robert, der andere Richtung Kessel und zu den 14 Contours. Nimm den zweiten. So liegt der steile Teil am frischen Morgen, und du kommst am Nachmittag über die Ferme Robert gemütlich zurück.
Der Sentier des 14 Contours ist das Herzstück und zugleich der anstrengendste Abschnitt. In vierzehn Kehren zieht der Pfad zwischen Fichten und Laubbäumen die Flanke hinauf. Mit jedem Höhenmeter öffnet sich ein neues Stück Aussicht. Gute Kondition und feste Schuhe sind hier keine Empfehlung, sondern Voraussetzung, denn der Aufstieg ist steil und steinig. Teile dir die Kraft ein: Oben wartet noch der ganze Weg um den Kessel.
Dann tritt der Wald zurück, und der Kessel liegt plötzlich offen vor dir. Das ist der Moment, für den die meisten den Aufstieg machen. Die Wände fallen senkrecht ab, unten im Kessel stehen die Bäume wie Moos, und im Rücken liegen Neuenburger- und Bielersee. Mit Glück siehst du Steinböcke, die ohne sichtbare Mühe auf den Felsbändern stehen, oder Gämsen am Rand der Weiden.
Oben folgt die Route der Krete um den Kessel herum zum Soliat. Dort steht die Ferme du Soliat, ein Berggasthof, der auch mit dem Auto erreichbar und entsprechend gut besucht ist. Die Métairies der Region kochen Rösti, Fondue und Käseschnitten. Danach verläuft der Abstieg über die Fontaine Froide durch den Wald hinunter zur historischen Ferme Robert am Fuss des Kessels. Von dort führt ein letztes Gefälle zurück nach Noiraigue.
Oben an der Kante
Entlang der Krete zieht sich eine Trockenmauer, die das Weideland vom Felsrand trennt. Zwischen Mauer und Abgrund liegt ein Streifen Wiese mit einer empfindlichen Flora, die unter dem Tritt der vielen Besucher gelitten hat. Der Kanton hat deshalb Abschnitte dieses Pfads zwischen Mauer und Fels gesperrt und mit Schnüren und Tafeln markiert. Wo gesperrt ist, gehst du auf der Weideseite der Mauer. Das ist ohnehin die richtige Seite für alle, denen beim Blick in eine Wand von 160 Metern flau wird.
Auch wo der Randweg offen ist, hat die Felskante kein Geländer. Der beste Fotoplatz ist nicht der letzte halbe Meter. Halte Abstand, gerade mit Kindern, bei Nässe und wenn Nebel die Sicht auf die Kante nimmt.
Regeln im Naturschutzgebiet
Die Felsenarena ist Teil einer kantonalen Reserve, die vom Val-de-Travers bis zu den Gorges de l’Areuse reicht, und zugleich eidgenössisches Jagdbanngebiet. Ihre Grenze verläuft teils genau auf der Route: über den Sentier des 14 Contours und oben entlang der Einzäunung am Kesselrand. Innerhalb der Reserve gilt:
- Hunde müssen an der Leine geführt werden. In den Neuenburger Wäldern ist das zwischen Mitte April und Ende Juni ohnehin überall Pflicht, wegen der Setz- und Aufzuchtzeit der Wildtiere.
- Tiere darfst du weder stören noch anlocken, auch nicht zum Fotografieren.
- Pflanzen, Blumen, Früchte und Pilze bleiben stehen. Pflücken und Ausgraben ist verboten.
- Zelten und Übernachten im Wohnmobil sind verboten, Feuer nur an den dafür bezeichneten Stellen erlaubt.
- Parkieren nur auf den offiziellen Parkplätzen, nie in den Wiesen.
Verstösse gegen die Reservatsordnung können mit einer Busse bis CHF 2000 geahndet werden. Der Tourismusverband Jura & Drei-Seen-Land bittet zudem, auf den markierten Wegen zu bleiben und für Drohnenflüge die Einschränkungen des Bundesamts für Zivilluftfahrt zu prüfen.
Zum Hund noch ein Wort: Die Leinenpflicht ist das eine, die Kühe sind das andere. Auf den Weiden am Rand des Kessels und am Soliat grasen Mutterkühe mit ihren Kälbern, und gegenüber Wandernden mit Hund können sie sehr aggressiv werden. Neuchâtel Tourisme rät deshalb dringend, keinen Hund mitzubringen; die Landwirte lehnen jede Haftung ab. Lass ihn für diese Tour zu Hause.
Varianten und Anreise
Die Tourismusorganisation führt eine leicht abgewandelte Runde: gleicher Start, gleicher Aufstieg über die 14 Contours, zurück aber über den Sentier du Single. Sie kommt auf 14 Kilometer, 821 Höhenmeter und 4 h 32 min und ist damit die etwas längere Wahl, wenn du den Abstieg über die Fontaine Froide schon kennst.
Ohne Aufstieg geht es auch: Vom Parkplatz am Soliat sind es rund 5 Minuten bis zur Kante, vom Parkplatz Grand’Vy auf der Südseite etwa 15 Minuten. Beide sind von Mai bis Oktober erreichbar. Von November bis April ist nur der Parkplatz Chez les Favre offen, von dort sind es rund 40 Minuten zu Fuss, und auf der Zufahrt gilt Winterausrüstung. Zu Fuss erreichst du den Kessel ausser von Noiraigue auch von den Bahnhöfen Travers, Champ-du-Moulin, Bevaix und St-Aubin.
Mit einem zweiten Tag lässt sich die Runde gut mit den Gorges de l’Areuse verbinden. Die Schlucht gehört zur selben Reserve und liegt an derselben Bahnlinie: Von Champ-du-Moulin folgst du dem Fluss durch den engen, feuchten Einschnitt, mal breit und ruhig, mal schäumend zwischen Felsen. Der Kontrast ist der Reiz daran. Oben am Kessel stehst du im Wind über offenem Weideland, unten in der Schlucht hörst du fast nur noch das Wasser.
Der Bahnhof Noiraigue ist mit dem Regio zwischen Neuchâtel und Buttes gut erschlossen, ab Neuchâtel dauert die Fahrt rund 20 Minuten. Ab Zürich bist du mit ein- bis zweimal Umsteigen in etwa 2 h 15 min dort. Weil die Parkplätze in Noiraigue knapp sind, ist die Bahn hier die bequemere Wahl. Mehr Touren, die am selben Bahnhof beginnen und enden, findest du bei den Rundwanderungen in der Schweiz; was die gelbe Markierung und die Stufe T1 genau bedeuten, erklärt der Beitrag zu den Wanderwegen der Schweiz.
Häufige Fragen
Wie schwer ist die Wanderung am Creux du Van?
Technisch ist die Runde als T1 eingestuft, also ein gelb markierter Wanderweg ohne ausgesetzte Kletterstellen. Anstrengend macht sie der Aufstieg: 770 Höhenmeter, der grösste Teil davon am Stück über die 14 Kehren. Wer regelmässig wandert, schafft das gut; für den ersten Wandertag nach langer Pause ist es viel.
Kann ich mit Kindern auf die Krete?
Ja, wenn sie den Aufstieg schaffen und du an der Kante konsequent bist. Die Wände haben kein Geländer. Bleib mit Kindern auf der Weideseite der Trockenmauer. Ohne den langen Aufstieg geht es vom Parkplatz am Soliat in wenigen Minuten zum Rand.
Wann ist die beste Zeit für den Creux du Van?
Die Wandersaison reicht von April bis Oktober. Im Sommer ist der Soliat an schönen Tagen gut besucht, weil man mit dem Auto bis fast an die Kante fahren kann. Früh am Morgen hast du die Krete ruhiger, und mit einem frühen Zug stehst du oben, bevor sich die Parkplätze füllen.
Darf ich am Creux du Van übernachten oder zelten?
Nein. Wildes Campieren ist in der Reserve verboten, ebenso das Übernachten im Wohnwagen oder Wohnmobil. Für eine Nacht in der Nähe bieten sich die Unterkünfte im Val-de-Travers an.
Saison, Parkplätze und Fahrplan: Stand September 2026.
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