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Wanderweg (T1)

Maggiatal: Wandern im Valle Maggia und im Val Bavona

Orte, Seitentäler und Anreise ab Locarno, dazu vier Wanderungen im Maggiatal: vom Wasserfall von Foroglio durchs Val Bavona bis zum Lago Mognola.

Von der Redaktion schweiz-reise.ch, veröffentlicht am , 9 Min. Lesezeit.

Steinhäuser von Foroglio im Val Bavona, dahinter stürzt der Wasserfall über die Felswand
Foto: Barbara Steinemann, CC BY-SA 4.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Von Locarno bis zu den ersten Granitplatten am Fluss sind es ein paar Minuten Busfahrt. Dann wird das Tal eng, das Wasser grün, und die Dörfer bestehen aus grauem Stein, der aussieht, als hätte ihn jemand direkt vom Hang genommen. Im Valle Maggia wandert man selten auf Gipfel. Man wandert durch Täler, von Weiler zu Weiler, und die Höhenmeter kommen fast nebenbei.

Das Tal zwischen Ponte Brolla und Cavergno

Die Maggia entspringt unter dem Pizzo Cristallina und mündet bei Locarno in den Lago Maggiore. Ihr Tal gehört zu den grössten des Tessins, und eigentlich ist es ein ganzes Bündel von Tälern. Am Eingang liegt Ponte Brolla mit seiner Granitschlucht, dann folgen Avegno, Gordevio, Aurigeno, Maggia, Giumaglio und Someo, bis sich bei Cevio und Bignasco alles verzweigt.

Die vier Seitentäler haben jedes einen eigenen Charakter:

  • Val Rovana: Bei Cevio zweigt die Strasse ab. Am Ende liegt das Walserdorf Bosco Gurin auf 1504 Metern, das höchste bewohnte Dorf des Tessins und das einzige, in dem Deutsch gesprochen wird.
  • Val Bavona: Bei Cavergno, dem letzten Dorf des Haupttals, geht es links hinein. Rund zehn Kilometer lang, zwölf Weiler, im Winter fast menschenleer.
  • Val Lavizzara: Von Brontallo bis Fusio, das wilde obere Ende der Vallemaggia. In Peccia wird Marmor gebrochen, in Mogno steht die Kirche von Mario Botta, gebaut an der Stelle der alten, die eine Lawine zerstört hatte.
  • Valle di Lodano: Klein und kaum bekannt, und trotzdem Teil des Unesco-Welterbes.

Die Anreise ist einfach. Mit dem Zug nach Locarno, dann weiter mit dem Bus 315 der FART, der im Halbstundentakt über Ponte Brolla, Maggia und Cevio bis Bignasco und Cavergno fährt, auch am Wochenende. Bis Bignasco brauchst du knapp 50 Minuten. Ins Val Bavona geht es ab Bignasco mit dem Postauto 333, nach Fusio mit dem Bus 334. Für alle Touren in diesem Artikel reicht der öffentliche Verkehr.

Durchs Val Bavona bis San Carlo

Die Talwanderung von Bignasco nach San Carlo folgt dem alten Weg der Alpfahrt, auf dem die Bauern mit ihrem Vieh talauf zogen. Sie führt durch die Weiler des Tals, darunter Fontana, Sabbione, Ritorto, Foroglio, Roseto, Faedo und Sonlerto. Der Weg ist gelb markiert und technisch einfach, aber lang. Die 789 Höhenmeter verteilen sich auf fast 13 Kilometer, und so merkst du den Anstieg eher in den Beinen als im Atem.

Beim ersten Blick ins Val Bavona glaubt man sich in einer Kulisse. Die Häuser stehen zwischen Felsblöcken, die so gross sind wie sie selbst, und manche Ställe sind direkt unter einen Block gebaut. Diese Unterstände heissen splüi. Auf einzelnen Blöcken wachsen Gärten, am Hang hängen Wiesen, die jemand mühsam dem Geröll abgerungen hat. Dazwischen stehen Kapellen und kleine Steinbrücken, der Fluss rauscht nie weit weg. Das Tal war seit alters bewohnt, aber schon um 1500 zogen die Familien dauerhaft weiter hinunter und kamen nur noch im Sommer. So ist es geblieben: Die Weiler sind im Winter leer, und ausser San Carlo hängt keiner am Stromnetz. Strom liefern Solarzellen, gekocht wird mit Gas.

Der Höhepunkt liegt ziemlich genau in der Mitte. In Foroglio stürzt die Froda über 100 Meter über eine Felswand, direkt hinter den Häusern. Das Postauto hält im Weiler, und viele Besucher kommen nur für diesen Blick. Mach hier deine lange Pause, danach wird das Tal ruhiger.

In der Nacht auf den 30. Juni 2024 hat ein Unwetter das obere Maggiatal schwer getroffen, besonders das Val Bavona und das Val Lavizzara. Über hundert Gebäude wurden zerstört oder beschädigt, Strassen und Brücken waren unterbrochen. Heute fährt das Postauto wieder bis San Carlo, und der Talweg ist offen. Bei starkem Regen können Strasse und Wege aber vorsorglich gesperrt werden. An solchen Tagen lässt du das Val Bavona besser aus.

So planst du die Tour

Das Postauto ins Val Bavona fährt von Anfang April bis Ende Oktober, täglich, aber nur fünf- bis sechsmal. Der Talweg selbst ist ganzjährig begehbar, ohne Bus kommst du aus San Carlo aber nicht mehr weg. Rechne deshalb rückwärts: Der letzte Kurs ab San Carlo fährt am späten Nachmittag. Mit 4 h 20 min reiner Gehzeit plus Pausen nimmst du am besten einen der ersten beiden Busse ab Locarno.

Das Postauto hält in fast jedem Weiler, auch in Fontana, Foroglio und Sonlerto. Damit lässt sich die Tour beliebig kürzen. Die beliebteste Variante: mit dem Postauto bis Foroglio und von dort in 1 h 50 min und 260 Höhenmetern auf 5,4 Kilometern nach San Carlo. Das ist die richtige Wahl für Familien mit kleineren Kindern. In San Carlo wartet die Seilbahn nach Robièi, falls du danach noch höher hinauf willst.

Drei weitere Wanderungen im Tal

Wanderung Gehzeit Strecke Auf/Ab Grad Saison
Ponte Brolla–Maggia 3 h 50 min 11,6 km 625 / 550 m T2 März bis Oktober
Foroglio–Calnègia–Foroglio 2 h 55 min 8,5 km 492 / 492 m T2 April bis Oktober
Fusio–Lago Mognola–Fusio 4 h 10 min 8,9 km 838 / 838 m T2 Juni bis September

Hoch über dem Valle Maggia. Von Ponte Brolla steigt der Bergwanderweg steil zur Kapelle Sant’Anna und weiter ins Tal des Ri da Riei, zwischen Farnteppichen und alten Kastanien. Bei Dunzio stehen drei Kastanienbäume, die 350 bis 700 Jahre alt und als Naturdenkmal geschützt sind. Über die gut erhaltenen Dörfer Aurigeno und Moghegno geht es nach Maggia; kurz davor lohnt der Abstecher zum Wasserfall des Ri di Dentro, der über eine Felswand in ein Becken fällt. Nach Ponte Brolla kommst du mit Zug oder Bus ab Locarno, ab Maggia fährt der Bus 315 zurück. Die Route steigt kaum über 1000 Meter und ist damit die Tour für den März und den späten Herbst.

Foroglio und das Val Calnègia. Gleich beim Wasserfall führt eine lange Treppe hinauf zum Eingang des Val Calnègia, einem Seitental des Seitentals. Über die Steinbrücke von Puntid und am rechten Ufer entlang geht es nach Gerra und Calnègia und auf demselben Weg zurück. Weiter oben leben Gämsen, Steinböcke und Murmeltiere. Weil du für An- und Rückreise das Postauto 333 brauchst, gilt hier dieselbe Saison wie im Val Bavona. Diese Runde ist die bessere Wahl, wenn dir die lange Talwanderung zu flach ist.

Fusio und der Lago Mognola. Die anspruchsvollste der drei. Von Fusio, dem letzten Dorf im Val Lavizzara, steigt der weiss-rot-weiss markierte Weg durch Lärchenwald zur Corte dell’Ovi und zur Corte Mognola und hinauf zum Bergsee auf gut 2000 Metern. Unterwegs begleitet dich eine alte Wasserleitung aus Stein, und von der Corte della Sassina siehst du hinunter auf den Stausee Lago del Sambuco. Anreise mit dem Bus 315 bis Bignasco und weiter mit dem Bus 334 nach Fusio. Der Aufstieg zum See ist steil, die Saison kurz.

Welche passt zu dir? Das Val Bavona ist die Tour für einen ersten Besuch und für Familien, der Lago Mognola die für trittsichere Leute mit Kondition im Hochsommer, Ponte Brolla–Maggia die für die Monate, in denen im Bavona kein Bus fährt. Wie die weiss-rot-weisse Markierung zu lesen ist und was T2 von T1 unterscheidet, steht im Überblick zu den Wanderwegen der Schweiz. Weitere Touren mit Start und Ziel am selben Ort findest du bei den Rundwanderungen.

Baden in der Maggia: schön und tückisch

Das klare, grüne Wasser zwischen den Granitplatten zieht im Sommer viele Leute an den Fluss. Die Maggia gehört aber zu den Gewässern, vor denen der Kanton Tessin jedes Jahr mit seiner Kampagne «Acque sicure» ausdrücklich warnt. Im Sommer patrouillieren dort Helfer und sprechen Badende an.

Die sechs Regeln des Kantons für Flüsse sind kurz und ernst gemeint:

  1. Kinder nie aus den Augen lassen.
  2. Nicht am Ufer oder auf Inseln im Fluss campieren.
  3. Auf das Wetter achten: Regen lässt den Wasserstand rasch steigen.
  4. Den Ort genau ansehen: Enge Schluchten und Wasserfälle sind gefährlich. Wirbel sieht man nicht, aber sie halten am Grund fest.
  5. Den Hinweisen von Fachleuten folgen.
  6. Die Beschilderung der Wasserkraftwerke beachten.

Dazu nennt der Kanton Sprünge in trübes Wasser, plötzliche Strömungen und das Baden an unbeaufsichtigten Stellen als typische Ursachen schwerer Unfälle. Spring nie in eine Gumpe, deren Tiefe du nicht selbst geprüft hast. Und nach einem Gewitter weiter oben im Tal bleibst du ganz aus dem Fluss, auch wenn am Badeplatz selbst die Sonne scheint.

Häufige Fragen

Wie komme ich ohne Auto ins Maggiatal?

Mit dem Zug nach Locarno und dort mit dem FART-Bus 315, der im Halbstundentakt bis Bignasco und Cavergno fährt. In knapp 50 Minuten bist du in Bignasco. Von dort fahren die Postautos in die Seitentäler, ins Val Bavona allerdings nur von April bis Oktober.

Kann man im Val Bavona auch im Winter wandern?

Der Talweg ist grundsätzlich ganzjährig begehbar, doch von November bis März fährt kein Postauto nach San Carlo, und die Weiler sind unbewohnt. Für die kalte Jahreszeit eignet sich eher die tiefer gelegene Route von Ponte Brolla nach Maggia. Bei Schnee lässt du auch sie aus.

Wie hoch ist der Wasserfall von Foroglio?

Die Froda fällt über 100 Meter über eine Felswand direkt hinter dem Weiler. Foroglio hat eine eigene Postauto-Haltestelle, der Fall liegt nur ein paar Schritte davon entfernt. Er ist damit auch ohne lange Wanderung zu sehen.

Ist die Talwanderung durchs Val Bavona für Kinder geeignet?

Die Route ist als gelber Wanderweg (T1) eingestuft und technisch einfach. Die ganze Strecke ab Bignasco ist für Kinder aber lang. Besser passt die Teilstrecke von Foroglio nach San Carlo mit knapp zwei Stunden Gehzeit.

Fahrpläne und Busbetrieb: Stand September 2026.

Weitere Touren

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