Gasterntal: Wandern im wilden Tal bei Kandersteg
Gasterntal bei Kandersteg: Talwanderung durch die Chluse nach Selden, Bus mit Reservation, Einbahnstrasse, Gebühren und Übernachten im Tal.
Von der Redaktion schweiz-reise.ch, veröffentlicht am , 7 Min. Lesezeit.

Hinter Kandersteg scheint das Tal an einer Felswand zu enden. Dort zwängt sich die Kander durch eine enge Schlucht, und wer hindurch ist, steht in einer anderen Landschaft: ein flacher Talboden aus Kies und Auenwald, Wasserfälle an beiden Flanken, darüber die Felswände unter dem Balmhorn. Im Winter ist das Gasterntal von der Welt abgeschnitten, im Sommer erreichst du es über eine Schotterstrasse oder mit einem Kleinbus. Es gehört zum Unesco-Welterbe, und seine Kander darf hier noch tun, was Flüsse in den Alpen selten tun dürfen: sich ihr Bett jedes Jahr neu suchen.
Durch die Chluse nach Selden
Vom Bahnhof Kandersteg folgst du den gelben Wegweisern Richtung Gasterntal, vorbei an der Talstation der Luftseilbahn Sunnbüel, wo die eigentliche Tour beginnt. Kurz danach wird es eng. Der Weg steigt neben den Kanderfällen durch die Chluse an, und das Wasser ist hier so laut, dass Gespräche Pause machen. Der Weg ist teils gelb, teils weiss-rot-weiss markiert, daher die Einstufung als Bergwanderweg. Die Schweizer Wanderwege führen die Tour trotzdem ausdrücklich als familientauglich.
Oben öffnet sich der Talboden. Der Weg führt teils direkt an der Kander entlang, teils durch das Gastereholz, einen lichten Wald auf den Schotterflächen des Flusses. Lawinenzüge und Schuttkegel ziehen von beiden Talseiten herunter, Seitenbäche fächern sich auf, bevor sie in die Kander münden. Im Gastereholz und im Gebiet Kanderfirn steht diese Auenlandschaft unter Schutz. Seltene und geschützte Arten wie die Orchidee Frauenschuh finden hier ihren Platz. Pflücken ist tabu, fotografieren nicht.
Über Staldi erreichst du Selden auf 1537 Metern. Ein paar Häuser, zwei Gasthäuser, eine Hängebrücke über die Kander: Mehr braucht der Weiler nicht. Unterwegs kommen 580 Meter Aufstieg zusammen, obwohl Selden nur rund 350 Meter höher liegt als der Start: Das Auf und Ab summiert sich.
Wer noch Beine hat, geht weiter bis zum Heimritz am Ende der Talstrasse. Das sind 30 Minuten mehr, bis zum Berggasthaus auf gut 1600 Metern. Von dort beginnt der Bergweg Richtung Kanderfirn, dem Gletscher zuhinterst im Tal; ab Selden sind es bis dorthin rund drei Stunden.
Mit dem Bus oder dem Auto ins Tal
Die Bahnanreise ist einfach: Nach Kandersteg fährt stündlich ein direkter Zug, ab Bern in rund einer Stunde, ab Brig in knapp 40 Minuten.
Ins Tal hinein fährt von Juni bis Oktober der Gasterntalbus von Kander-Reisen, ab Bahnhof Kandersteg über die Haltestelle Bären und das Waldhaus bis Selden. Reservieren musst du ihn telefonisch unter 033 671 11 72, online geht es nicht. Die einfache Fahrt Kandersteg–Selden kostet für Erwachsene CHF 15, für Kinder CHF 10, retour CHF 25 und CHF 15 (Stand 2026). GA, Halbtax und Gästekarte gelten nicht, Tickets gibt es nur bar beim Chauffeur. Für die Tour oben heisst das: Bargeld einpacken und die Rückfahrt schon vor dem Start reservieren, denn der Bus fährt nur wenige Male am Tag.
Mit dem Auto biegst du etwa 400 Meter nach der Talstation Sunnbüel von der Hauptstrasse ab. Die Strasse ist geschottert, führt über eine Felsengalerie und durch zwei Tunnels und ist ungefähr von Mitte Mai bis Mitte November offen; die genauen Termine stehen jeweils auf gasterntal.ch. In der Galerie kann man nicht kreuzen, deshalb gilt rund um die Uhr ein Taktfahrplan:
| Richtung | Erlaubtes Zeitfenster |
|---|---|
| Bergwärts ins Tal | Minute 45 bis Minute 05 |
| Talwärts nach Kandersteg | Minute 15 bis Minute 35 |
Die Zufahrt kostet CHF 20 pro Tag, eine Jahresbewilligung CHF 60 (Stand 2026). Bezahlt wird am Automaten am Taleingang oder per PayByPhone, parkieren im Tal ist inbegriffen. Für CHF 10 pro Tag kannst du auch unten auf dem Parkplatz Bären stehen lassen und den Bus nehmen. Bei Gewitter oder Starkregen wird die Strasse vollständig gesperrt, manchmal für Stunden, manchmal für Tage. Wer dann im Tal parkiert hat, lässt das Auto dort stehen. Velofahrer brauchen kein Billett, müssen sich aber ebenfalls an den Takt halten.
Unsere Empfehlung: hinein zu Fuss, heraus mit dem Bus. So erlebst du die Chluse bergauf, wenn du frisch bist, und musst dir um Galeriezeiten und Gewittersperren keine Gedanken machen.
Übernachten im Tal
Eine Nacht im Tal lohnt sich, weil es abends ruhig wird, wenn die Tagesgäste weg sind. Kandersteg Tourismus nennt in Selden das Hotel Steinbock und das Hotel Gasterntal-Selden, am Talende das Gasthaus Heimritz. Näher am Taleingang, an der Bushaltestelle Waldhaus, liegt das Berghotel Waldhaus. Ein Zelt aufzustellen ist im ganzen Tal verboten.
Höher oben liegen zwei SAC-Hütten: die Balmhornhütte auf 1955 Metern und die Mutthornhütte, die nur über den Gletscher erreichbar ist und damit kein Ziel für eine Talwanderung.
Weitere Touren ab Selden
Die bekannteste Fortsetzung ist der Übergang über den Lötschenpass ins Wallis. Er beginnt harmlos: Hinter der Hängebrücke bei Selden steigt ein gut markierter Weg in Serpentinen und etwa einer Stunde 300 Meter zur Gfelalp hinauf. Bis hierhin ist das ein lohnender Abstecher von Selden aus, danach nicht mehr. Weiter oben quert der Weg den Lötschengletscher auf einer mit Stangen markierten Linie, und im letzten Stück vor der Lötschenpasshütte warten steile, felsige Passagen mit Drahtseilen. Kandersteg Tourismus stuft die Route als T3+ ein. Das ist eine Tour für trittsichere, erfahrene Bergwanderer, nicht die Verlängerung eines Familienausflugs.
Eine andere Richtung nimmt die Wanderung von Kandersteg über das Waldhaus hinauf zum Sunnbüel: rund drei Stunden, mit der Luftseilbahn Sunnbüel für ein Teilstück zwei. Und in der Nachbarschaft liegt mit dem Oeschinensee das bekanntere Ziel von Kandersteg; beide lassen sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gut kombinieren.
Häufige Fragen
Ist das Gasterntal für Kinder geeignet?
Ja, die Talwanderung nach Selden gilt als familientauglich. Unterwegs gibt es Einkehrmöglichkeiten. Die Abkürzung für kleine Beine: mit dem Bus bis Selden fahren und nur die halbe Stunde bis zum Heimritz gehen.
Kann ich das Gasterntal im Winter besuchen?
Nein, die Strasse ist ungefähr von Mitte November bis Mitte Mai gesperrt, und der Bus fährt nur von Juni bis Oktober. Auch geöffnete Wege können im Frühsommer noch Schneefelder tragen.
Wie komme ich ohne Reservation zurück nach Kandersteg?
Zu Fuss auf demselben Weg, bergab ist er etwas schneller. Den Bus solltest du nicht auf gut Glück erwarten, denn ohne Reservation ist kein Platz sicher. Rechne für den Rückweg genug Tageslicht ein.
Brauche ich eine Karte?
Der Weg ist durchgehend signalisiert, Wegweiser stehen an allen Verzweigungen. Eine Karte oder eine Wander-App mit den Daten von swisstopo lohnt sich trotzdem, vor allem für die Abstecher zur Gfelalp oder Richtung Kanderfirn. Mehr zur Logik der Wegweiser steht in unserem Ratgeber zu den Wanderwegen der Schweiz.
Fahrpreise, Zufahrtsgebühren und Bussaison: Stand September 2026.
Weitere Touren
Bergwanderweg: 2 h 30 min, Stoos, Bergstation Klingenstock → Stoos, Fronalpstock

Wandern in der Zentralschweiz: Touren rund um den Vierwaldstättersee
Wanderweg: 4 h 20 min, Bignasco, Posta → San Carlo (Val Bavona), Talstation der Seilbahn
