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Bergwanderweg (T3)

Suonenwanderung im Wallis: die schönsten Suonen und Bisses

Was Suonen sind, sechs Suonenwege von gemütlich bis ausgesetzt und die Bisse du Ro als Haupttour: Gehzeit, Schwierigkeit, Saison und Anreise mit dem Postauto.

Von der Redaktion schweiz-reise.ch, veröffentlicht am , 10 Min. Lesezeit.

Der Pfad der Bisse du Ro führt an einer Felswand entlang durch herbstlichen Lärchenwald
Foto: m.prinke, CC BY-SA 2.0 (skaliert), via Wikimedia Commons

Im Wallis regnet es wenig. An den Südhängen über dem Rhonetal wäre ohne künstliche Bewässerung kaum eine Wiese grün geblieben, also holten die Bauern das Wasser dort, wo es reichlich floss: aus den Gletscherbächen der Seitentäler. Sie gruben Kanäle in den Hang, hängten hölzerne Känel an senkrechte Felswände und führten das Wasser über Kilometer bis zu ihren Weiden, Äckern und Rebbergen. Neben jeder Suone lief ein Pfad, auf dem der Wasserhüter seine Runden drehte. Auf genau diesen Pfaden wanderst du heute, fast eben, immer dem Rauschen nach.

Was Suonen sind und warum sie noch fliessen

Eine Suone ist ein offener Graben, der Wasser aus einem Bergbach abzweigt und mit leichtem Gefälle den Hang entlangführt. Oberwalliser sagen Suone oder Wasserleite, im französischsprachigen Unterwallis heisst derselbe Kanal Bisse. Wo der Fels keinen Graben zuliess, bauten die Bauern Holzrinnen, die auf eingeschlagenen Balken über dem Abgrund hängen. Solche Stellen waren beim Bau und beim Unterhalt lebensgefährlich, und viele Suonen wurden später durch Stollen ersetzt.

Tot sind sie trotzdem nicht. Viele Kanäle werden bis heute gepflegt und betrieben, oft von sogenannten Geteilschaften, den alten Genossenschaften der Wasserberechtigten. Diese Form der gemeinsamen Verwaltung hat die Unesco Ende 2023 als Teil der traditionellen Bewässerung ins immaterielle Kulturerbe der Menschheit aufgenommen. Die Schweiz ist daran mit den Walliser Suonen und den Wässermatten im Oberaargau beteiligt.

Für dich als Wanderer heisst das zweierlei. Erstens ist das Wasser kein Dekor: Es dient der Landwirtschaft und teils als Trinkwasser, also nicht darin baden und nichts hineinwerfen. Zweitens fliesst es nicht das ganze Jahr. Wallis Promotion nennt als übliche Wasserzeit Mitte Mai bis Mitte Oktober, abhängig von Wetter und Höhenlage. Im Frühsommer rauscht es am lautesten, im Herbst leuchten die Lärchen und Reben über dem trockenen Graben.

Die Bisse du Ro: die Haupttour über Crans-Montana

Kaum eine Suonenwanderung wird so oft genannt wie die Bisse du Ro, und kaum eine verlangt so klar einen schwindelfreien Kopf. Der Kanal entstand im späten 14. Jahrhundert. Der obere Abschnitt ist heute durch einen Stollen unter dem Mont Lachaux ersetzt, der untere hängt weiterhin über Felswänden, Runsen und Schluchten. Die Gemeinde Crans-Montana schreibt dazu nüchtern, dass dort jeder Sturz tödlich wäre.

Vom Stausee zum Kanal

Du startest an der Postautohaltestelle beim Barrage de Tseuzier, auf gut 1770 m. Die ersten Kilometer verlaufen auf einem breiten Bergweg, der Blick geht weit ins Unterwallis hinein. Bei Er de Chermignon steht ein Picknicktisch, und das ist der richtige Ort für die letzte Pause, bevor es ernst wird.

Danach schrumpft der Pfad auf Schulterbreite. Auf der einen Seite die Holzrinne mit dem Wasser, auf der anderen die Tiefe, über dir überhängender Fels, unter dem du dich teils bücken musst. An den engsten Stellen raten Schilder davon ab, stehenzubleiben. Mit Rucksack auf dem Rücken merkst du schnell, warum eine Rückentrage für Kleinkinder hier fehl am Platz ist. Hunde gehören an die Leine.

Die Hängebrücke über dem Abgrund

Etwa auf halbem Weg zwischen Stausee und Dorfzentrum überquerst du eine Hängebrücke von 120 Metern Länge, rund 70 Meter über dem Grund. Die drei Gemeinden des Haut-Plateau haben den Weg für insgesamt CHF 2,8 Millionen sichern lassen und den Kanal gereinigt. Das nimmt dem Weg die Gefahr nicht, es macht ihn nur begehbar. Für Menschen mit Höhenangst bleibt er ungeeignet.

Nach den Felswänden steigst du zum Schluss hinunter nach Crans-sur-Sierre zur Haltestelle Pas de l’Ours. Wie überall in der Schweiz gilt die Zeit auf dem Wegweiser ohne Pausen. Was die weiss-rot-weisse Markierung und die Stufe T3 im Detail bedeuten, erklärt der Beitrag zu den Wanderwegen der Schweiz.

Anreise und Saison

Das Postauto zum Stausee fährt ab Sion oder Crans-Montana, umgestiegen wird in Ayent, Le Creux. Von Ende Juni bis Mitte August verkehrt es täglich, danach bis Ende Oktober nur noch an Wochenenden. Ab Mitte August ist die Tour an Werktagen ohne Auto also kaum machbar. Die Schweizer Wanderwege geben als Saison Juni bis Oktober an. Bei Nässe und Frühschnee meidest du den Weg besser, die Holzstege und Felsplatten werden dann rutschig.

Die schönsten Suonen im Wallis: sechs Wege im Vergleich

Die Auswahl deckt die Bandbreite ab, vom Waldspaziergang bis zur Gratwanderung am Kanalrand.

Suone Ort Gehzeit Auf-/Abstieg Charakter
Grand Bisse de Vex Les Mayens-de-Sion – Planchouet 3 h 15 min 260 m / 35 m schattig, sanfter Verlauf
Bisse de Clavau Icogne – Sion 3 h 30 min 120 m / 665 m Rebberge, kurzer Tunnel
Bisse du Torrent-Neuf Savièse, Les Biniis – Tripon 3 h 00 min 200 m / 280 m Hängebrücken, schwindelerregend
Bisse de Sion Barrage de Tseuzier – Mayens d’Arbaz 4 h 00 min 150 m / 610 m lang, Blick in einen Abgrund
Niwärch und Gorperi Ausserberg – Eggerberg 3 h 35 min 440 m / 525 m T3, sehr ausgesetzt
Bisse du Ro Tseuzier – Crans-sur-Sierre 3 h 00 min 280 m / 585 m T3, Absturzgefahr

Grand Bisse de Vex: der ruhige Einstieg

Zwischen Les Mayens-de-Sion und Planchouet folgt der Kanal über 12,1 Kilometer einem sanften Verlauf, fast ohne Gegensteigung. Der Weg führt durch Nadelwald, vor allem Lärchen, deren Nadeln einen weichen Teppich legen. An heissen Tagen ist das die angenehmste Suone der Liste. Der Abschnitt zwischen Veysonnaz und Les Mayens-de-Sion ist im Sommer entsprechend belebt.

Bisse de Clavau: durch die Reben nach Sion

Die Clavau beginnt in Icogne und endet nach 14 Kilometern in Sion, auf knapp 500 Metern. Der Kanal läuft zwischen hohen Trockensteinmauern durch die Rebberge von Ayent, Grimisuat und Sion, teils auf Holzträgern über dem Hang, einmal durch einen kurzen Tunnel. Mit 665 Metern Abstieg spüren es die Knie, schwindelfrei musst du aber nicht sein. Im Herbst, wenn sich die Reben färben, ist sie die stimmungsvollste Wahl.

Bisse du Torrent-Neuf: vier Brücken statt Felsband

Der Torrent-Neuf über Savièse wurde im 15. Jahrhundert gebaut und galt als kühnstes Bewässerungsprojekt des Wallis. 1935 ersetzte ihn ein Stollen, seit 2005 wird er restauriert. Den alten, schwindelerregenden Pfad an der Felswand umgehst du heute über vier Hängebrücken, eine davon ist 140 Meter lang und hängt 76 Meter über dem Grund. Savièse Tourismus nennt den Weg «leicht, aber schwindelerregend». Geöffnet ist er von Mai bis Anfang November, bei Regen bleibt er vollständig gesperrt.

Bisse de Sion: lang und einsam

Die Suone von Sitten startet ebenfalls am Stausee Tseuzier und bezieht ihr Wasser aus den Quellen der Lienne. Unterwegs quert sie auf einem Holzaquädukt den Wildbach Lourantse und zieht an einer Stelle über einen Schlund, der 200 Meter in die Tiefe fällt. Danach wird es ruhiger. Mit 15 Kilometern und vier Stunden ist sie die längste Tour der Auswahl.

Niwärch und Gorperi: die wildeste Variante im Oberwallis

Oberhalb von Ausserberg zieht die Niwärch aus dem späten 14. Jahrhundert ins Baltschiedertal hinein, die Gorperi aus dem Jahr 1640 führt wieder hinaus. Die Schweizer Wanderwege zählen die Route zu den spektakulärsten Suonenwanderungen im Wallis: schmale Passagen mit Drahtseilen, Tiefblicke und kurze Tunnelstücke, für die eine Stirnlampe in den Rucksack gehört. Wie an der Bisse du Ro gilt T3, schwindelfrei und trittsicher. Beide Endpunkte liegen an der Lötschberg-Bergstrecke, du erreichst sie mit dem Zug über Spiez oder Brig. Die Saison reicht von Mai bis Oktober.

Welche Suone für wen?

Mit Kindern und ohne Bergerfahrung nimmst du den Grand Bisse de Vex, er verzeiht Unaufmerksamkeit. Für einen Tag mit Weinbergen und Einkehr in der Stadt passt die Clavau. Den Torrent-Neuf wählst du, wenn du den Nervenkitzel der Brücken suchst, aber keinen schmalen Felspfad. Und wenn du auf Bergwanderwegen schon sicher unterwegs bist: die Bisse du Ro, wegen der Hängebrücke und der Nähe zu Crans-Montana. Die Niwärch lässt sich auch als Runde ab Ausserberg gehen, mit 15,6 Kilometern und 4 h 45 min ist sie dann deutlich länger. Weitere Schleifen ohne Rückfahrt sammelt der Beitrag zu den Rundwanderungen in der Schweiz.

Was du vor dem Start wissen solltest

Suonenwege sehen harmlos aus, weil sie fast eben sind. Das täuscht an den ausgesetzten Abschnitten. Ein Stolpern dort endet nicht im Gras. Feste Schuhe mit griffiger Sohle sind Pflicht, Turnschuhe reichen nicht. Plane die Tour so, dass du bei trockenem Wetter unterwegs bist, und gehe die Felspassagen im eigenen Tempo, auch wenn hinter dir jemand drängelt.

Der zweite Punkt ist die Richtung. Die meisten Suonen verlieren auf ihrem Weg nur wenig Höhe, die Touren enden aber oft deutlich tiefer als sie beginnen, weil sie zum Schluss ins Dorf absteigen. Beim Start am Stausee hast du den Abstieg am Ende in den Beinen, nicht den Aufstieg. Schau vor dem Losgehen auf die letzte Verbindung zurück: Vom Ziel Tripon am Torrent-Neuf bringt dich am Abend nur noch der Bus nach Savièse.

Und schliesslich die Jahreszeit. Nach dem Ende der Wasserzeit im Oktober bleibt der Graben leer, der Weg selbst ist bis zum Saisonende begehbar. Frost und erster Schnee machen Holzstege und Fels dann aber schnell glatt, und am Torrent-Neuf ist bei Regen ohnehin geschlossen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Suone und Bisse?

Keiner, es ist dasselbe Bauwerk. Im deutschsprachigen Oberwallis heisst der Bewässerungskanal Suone oder Wasserleite, im französischsprachigen Unterwallis Bisse. Die Bezeichnungen auf Wegweisern und Karten folgen der Sprache der Gemeinde.

Welche Suonenwanderung ist für Kinder geeignet?

Der Grand Bisse de Vex verläuft durch Wald, fast ohne Höhenunterschied und ohne nennenswerte Absturzstellen. Auch die Clavau ist ohne Schwindelfreiheit machbar, hat aber einen langen Abstieg. Die Bisse du Ro und die Niwärch sind ausgesetzte T3-Wege mit Absturzgefahr und nichts für kleine Kinder.

Wann ist die beste Zeit für eine Suonenwanderung?

Die Wege sind meist von Juni bis Oktober begehbar, niedrige Suonen wie die Clavau auch früher. Wasser führen die Kanäle üblicherweise von Mitte Mai bis Mitte Oktober. Im Frühsommer rauscht es am meisten, im Herbst färben sich Lärchen und Reben.

Darf man in einer Suone baden?

Nein. Das Wasser dient der Bewässerung und teils der Trinkwasserversorgung. Wirf auch keine Steine oder Äste hinein und bleib auf dem markierten Weg, damit die Böschung nicht erodiert.

Postauto-Betrieb und Saisonzeiten: Stand September 2026.

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